Wittmunder Wald

Der Wittmunder Wald ist mit einer Größe von über 700 Hektar eins der größten zusammenhängenden Waldgebiet im an sich waldarmen Ostfriesland. Damit ist er eine landschaftliche Besonderheit, die im großen Interesse der Menschen steht und als Heimat für Tier- und Pflanzenarten eine ganz wichtige Naturschutzfunktion erfüllt. Er wird in Teilen auch forstwirtschaftlich genutzt und erfüllt damit auch eine ökonomische Funktion.

Unterwegs

Seine Ursprünge hat der Wittmunder Wald in großen Aufforstungen von Öd- und Heideflächen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Die Spuren seiner Entstehungsgeschichte sind heute noch gut festzustellen. Das rechtwinklig verlaufende Wegenetz und Aufforstungsstrukturen, in denen blockweise, vornehmlich Nadelbäume gepflanzt wurden, sind erkennbar. Im Osten gibt es einen größeren Anteil an älteren Laubbäumen. Auf einer Länge von etwa fünf Kilometer erstreckt sich der Wittmunder Wald in südwest-nordöstlicher Richtung. Im Westen von der kleinen Siedlung Jackstede bis zum Wittmunder Ortsteil Angelsburg. Im Süden verläuft die B210. Dort, wo der Wittmunder Wald von der Upsteder Straße durchschnitten wird, ist die breiteste Stelle von etwa zwei Kilometern.

Das Netz aus einigen Forstwegen und mehreren Wanderpfaden ermöglicht, vor allem im östlichen Teil des Wittmunder Waldes, dass man zu Fuß oder mit dem Rad vielfältig unterwegs sein kann. Besonderheiten, wie eine längere Allee aus den sonst in Norddeutschland selten Esskastanien oder ein kreisrundes Waldmoor, das eine sogenannte eiszeitlichen Pingo-Ruine ist, machen den Wald zu einem interessanten Erholungsort. Er wird sehr häufig von Spaziergängern und Sportlern genutzt.

Der westliche Teil des Wittmunder Wald ist durch das Wegenetz nicht mehr ganz so stark erschlossen, weil ein größerer Teil durch eine Naturschutzmaßnahme nicht oder kaum mehr für Menschen zugänglich ist.

Naturschutz

In dem westlich gelegenen Waldstück Hohehahn werden auf einer Fläche von etwa 200 Hektar die ehemaligen Waldmoore, die vor 150 Jahren trockengelegt und aufgeforstet wurden,  renaturiert. Wo jetzt Nadelforsten auf ehemaligen Moorböden wachsen, werden sich zukünftig wieder naturnahe Laubwälder entwickeln. Neben diesen Baumbeständen aus Birken, Weiden und Erlen, auch mal Eichen und Buchen, werden wieder Moore und andere waldfreie Biotope entstehen. Das Entwicklungsziel ist ein kleinflächiges Mosaik von Waldmooren, Seggenrieden und Heideflächen, die sehr zur Steigerung der natürlichen Vielfalt beitragen. Die Renaturierung der Waldmoore führt dazu, dass sich die ursprüngliche Flora und Fauna, die noch in Relikten zu finden ist, wieder großflächig ansiedeln und ausbreiten kann. Bald werden die Renaturierungsarbeiten im Wittmunder Wald westlich der Upsteder Straße abgeschlossen sein.

Forstwirtschaft

Der Wittmunder Wald ist ein Teil der Revierförsterei Upjever des Niedersächsischen Forstamtes Neuenburg. Der Wald gehört dem Land Niedersachsen und wird nachhaltig bewirtschaftet. Das heißt, dass nur so viel Holz genutzt werden darf, wie es in dem Waldgebiet auch zuwächst. Meist wird aber noch weniger Holz eingeschlagen. Das bedeutet, dass sich der Holzvorrat in vielen Wäldern vermehrt.

Wenn ältere Bäume durch eine Durchforstung geerntet wurden, und danach so viel Licht in den Wald einfällt, dass es für junge Bäume ausreicht, werden diese angepflanzt. Wenn sie bereits durch natürlich Ansamung vorhanden sind, können sie nach einer Durchforstung des Waldes besser weiterwachsen. Große Kahlschläge werden im Wittmunder Wald nicht gemacht. Fast überall sind künftig Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen geplant. Alle forstwirtschaftlichen Maßnahmen sind in ein Planungssystem eingebunden, bei dem kontrollieren Gutachter, sie heißen Forsteinrichter, die Arbeit der vor Ort tätigen Förster. Alle zehn Jahre gibt es eine Waldinventur und die Planung für die nächsten zehn Jahre. So wird gewährleistet, dass das Prinzip der nachhaltigen Holznutzung auch eingehalten wird. Den Förstern stehen auch im Wittmunder Wald Ergebnisse einer intensiven Bodenuntersuchung zur Verfügung. Sie wird Forstliche Standortkartierung genannt und gibt Auskunft über die im Wald vorhandenen Bodenverhältnisse. Sie enthält auch Empfehlungen, welche Baumarten den Verhältnissen optimal entsprechen. So können für bevorstehende Forstkulturen, wie die Pflanzung von Bäumen bezeichnet wird, gut und stabil wachsende Baumarten ausgewählt werden.

Die Forstwirtschaft beachtet auch Naturschutzanforderungen. So wird in oder am Rand von Waldmooren und anderen sogenannten Sonderbiotopen keine Forstwirtschaft betrieben. Außerdem soll sehr darauf geachtet werden, dass keine Bodenschäden bei der Holzernte auftreten.

Das von Holzerntemaschinen oder Forstwirten, wie die Waldarbeiter heißen, geerntete Holz wird an den Forstwegen im Wittmunder Wald gelagert und von dort durch von Holzkäufern beauftragte Spediteure abgefahren. Holz soll nicht zu lange im Wald liegen, weil sich sonst Borkenkäfer oder andere Insekten darin vermehren können. Die Holzqualität verschlechtert dadurch sehr und die Borkenkäfer können nach ihrer Vermehrung dann gesunde, stehende Bäume befallen.

Das im Wittmunder Wald geerntete Holz stammt von den Baumarten Eiche, Buche, Fichte und Kiefer. Es sind auch mal Lärchen oder Douglasien dabei. Wenn Stämme in ganzer Länge geerntet werden, sogenanntes Langholz, werden diese später in Sägewerken zu Brettern, Balken oder anderes Bauholz verarbeitet. Manchmal werden auch Möbeln daraus gefertigt, vor allem aus Laubholz. Holz, das manchmal in großen Haufen an den Waldwegen liegt, nennt man Schichtholz. Es hat verschiedene Verwendungen. Meist wird es zur Papier- oder Spanplattenproduktion eingesetzt.

Geschichte

Der Wittmunder Wald, heute mit 730 Hektar ein für den Nordwesten Niedersachsen sehr großes zusammenhängendes Waldgebiet, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach der letzten Eiszeit ist mit der allmählichen Erwärmung auf dem hier verlaufenden Geestrücken Wald entstanden. Erst wohl aus Birken, Weiden und Kiefern. Später überwogen dann in diesem Raum Laubwälder aus Eichen und Buchen. Fast alle Wälder Norddeutschlands verschwanden durch Übernutzung des Holzbestandes und Umwandlung in landwirtschaftlich genutzte Flächen mit der zunehmenden Landschaftsbeeinträchtigung durch Menschen. Auch das Gebiet, wo heute der Wittmunder Wald liegt, ereilte dasselbe Schicksal.

Die Geschichte überliefert, dass das nach der Entwaldung mit Heide bedeckte Gebiet „Hohehahn“ genannt wurde. Schäfer pflanzten dort in der öden Landschaft an ihre Lagerstelle eine Birke zur Markierung. Die Krone des Baumes sah besonders im stark wehenden Wind aus wie ein Hahnenschwanz. Daher der Flurname „Hohehahn“, nach dem später auch die zuständige Revierförsterei benannt wurde. Das Heidegebiet wurde nämlich ab 1862 wiederbewaldet. Ein gewaltiges Aufforstungsprogramm wurde vom Landesherrn angeordnet. 1400 Hektar Kiefernwald wurden in 30 Jahren in der hiesigen Region angepflanzt. Dazu musste viele der Fläche entwässert werden, die Moore verschwanden. Der Wald entwickelte sich prächtig, bis zu einer Katastrophe im Jahr 1911. Ein verheerender Waldbrand vernichtete große Waldgebiete besonders südlich der heutigen Bundesstraße B210. Auf der abgebrannten Waldfläche wurde der Wittmunder Flugplatz gebaut. Damals noch für Luftschiffe, heute ist dort ein Jagdgeschwader der Bundeswehr stationiert.

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen setzten dem Wittmunder Wald noch einmal zu. Die Briten holten nach 1945 sehr viel Holz zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Städte aus deutschen Wäldern, so auch in Ostfriesland. Der Wittmunder Wald wurde danach mit schnell wachsender Fichte aufgeforstet. Später stellten die Niedersächsischen Landesforsten, die Eigentümer des Wittmunder Waldes sind, ihre Aufforstungsstrategie um. Es wurden keine reinen Nadelwälder mehr gepflanzt. Ein vielseitiger Wald mit einer guten Mischung aus Laub- und Nadelbäumen ist stabiler und gesünder als eine Monokultur. Heute präsentiert sich der Wittmunder Wald als reizvolles Gebiet mit verschiedenen Funktionen. Durch mehrere Baumarten, vor allem Eichen, Fichten, Buchen und Kiefern ist der Wald ein Erholungsgebiet, liefert gut vermarktbares Holz und beheimatet verschiedenste Pflanzen und Tiere. Außerdem gibt es reizvolle Waldmoore und einige weitere nicht bewaldete Flächen.